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„Are we serious? Humor in debates of the 21st century“ (English)

Festival The Farm , 02.08.2024

Inmitten der bezaubernden grünen Felder und dichten Wälder des deutschen Fichtelgebirges gelegen, ist das jährliche Festival „The Farm“ ein pulsierendes Zusammentreffen von alternativen Köpfen, alten Freund:innen und umwerfenden musikalischen Kompositionen. In diesem Jahr hatte die PG* die Ehre, neben dem rhythmischen Rock’n’Roll unserer Hüften zu den pulsierenden Beats des orientalischen Tech-House, der Veranstaltung eine philosophische Note mit einer offenen Diskussion mit dem Titel „Are we serious? Humor in debates in the 21st Century!“zu verleihen.

Drei unserer Mitglieder:innen, Thérèse Gräff, Nico Graack und Marius Sitsch, bereiteten den Boden für einen fruchtbaren Austausch mit den Teilnehmenden, indem sie in jeweils fünfminütigen Kurzreferaten interessante „Hot Takes“ präsentierten.

Zunächst erzählte Marius die Geschichte, wie der Philosoph Thales von einer thrakischen Sklavin ausgelacht wurde, weil er in einen Brunnen gefallen war, und wies auf die Macht und Freiheit hin, die das Lachen bietet. Er führte die Zuhörer in das Konzept des Lachens als Reaktion auf die Absurdität des Lebens ein und betonte, dass das Ausbrechen in Lachen eine einzigartig menschliche Eigenschaft ist. Oder war das Weinen? Er betonte die enge Beziehung zwischen den beiden und schlug vor, dass sie sogar ein und dasselbe sein könnten.

Als Nächstes bot Nico eine anregende Analyse der gegenwärtigen US-Politik und stellte die Frage, ob Trumps Verwendung von Memes über sich selbst das Ende des subversiven Humors als Mittel gegen den Staat oder zur Stärkung der Machtlosen bedeutet. Im Gegensatz zu Marius‘ Überlegungen argumentiert er, dass dies der Fall ist, und legt nahe, dass sich der Staat, wenn er sich selbst humorisiert, seine eigene Opposition zu eigen macht: Der Einsatz von Humor als Form der Gegenmacht setzt die Ernsthaftigkeit auf Seiten der Macht voraus.

Schließlich bereicherte Thérèse die Diskussion mit einer Analyse der Machtdynamik und Verletzlichkeit in humorvollen Interaktionen. Sie schlug vor, dass echtes Lachen über sich selbst, während man sich auch über andere lustig macht, eine Form der Verletzlichkeit darstellt, die zu einer respektvollen Interaktion beiträgt. Indem sie die beiden erstgenannten Positionen miteinander verband, begründete sie, dass diese Herangehensweise an den Humor Sensibilität und Selbstreflexion zulässt und uns in die Lage versetzt, Spaß zu machen, ohne andere zu überwältigen.

Den drei Impulsen folgte eine lebhafte Diskussion mit den Teilnehmenden: Die Frage des Humors als Form des Protests wurde ebenso aufgeworfen und diskutiert wie die Frage des Verzeihens und Vergebens bei unangemessenem Lachen, und auch ein sensibler Umgang mit Witzen war ein heißes Thema. Das Fazit, das uns am Ende im Gedächtnis blieb: Warum nehmen wir uns so ernst? Lasst uns lockerer werden, tanzen gehen und uns von Zeit zu Zeit über unsere eigene Ernsthaftigkeit lustig machen.

Die drei Impulse wurden in der Y – Zeitschrift für atopisches Denken auf Deutsch veröffentlicht und finden sich hier.